Geschichte
"
... was uns zusammenhält,
Weitere Informationen unter Zahlen & Namen gekürzte Fassung
Bereits um 1880 erklang in Nofels zum erstenmal Blasmusik. Georg Allgäuer, Christian Breuß, Martin Maier, Valentin Pümpel und Heinrich Ruhm hatten sich voller Begeisterung zu einer kleinen Bläsergruppe zusammengeschlossen, die gelegentlich bei verschiedenen kleineren Veranstaltungen zum Tanze aufspielte. Doch sie bedauerten es sehr, nicht bei größeren Festlichkeiten und Ausrückungen mitwirken zu können, und waren daher bestrebt, ihre Musik zu vergrößern.
Im Laufe der Zeit konnten die wackeren Musikanten doch einige junge Männer für ihre Musik begeistern, und so kam es am 1. September 1892 zur denkwürdigen Gründungsversammlung, zu der sich neben den Obgenannten noch folgende Männer eingefunden hatten: Engelbert Allgäuer, Martin Hehle, Albert Jenny, Georg Köchle, Johann Maier, Adolf Nesensohn, Johann Stieger, Adolf Wehinger und Johann Zimmermann. Insgesamt bestand die musikalische Truppe also zu Beginn aus 14 Mitgliedern. Eine beachtliche Zahl, wenn man bedenkt, daß Nofels zu diesem Zeitpunkt erst 437 Einwohner hatte.
"Wir haben das Bestreben, Musik zu pflegen, um dem eintönigen Landleben einen gewissen Reiz zu verleihen, um die in den gegenwärtig schlechten Zeiten gedrückten Gemüther empor zu heben und die in der Gemeinde jährlich sich ereignenden Festlichkeiten, durch Mitwirkung bei denselben zu heben und zu verschönern."
Die erste Vereinsleitung der jungen "Musikgesellschaft Nofels" hatte folgendes Aussehen: Georg Allgäuer - Vorstand und Kapellmeister, Christian Breuß - Vorstandstellvertreter, Martin Maier - Kassier, Heinrich Ruhm - Schriftführer und Valentin Pümpel - Sachverwalter.
Die Anfangsschwierigkeiten waren groß, denn während die angehenden Jungbläser oft nach schwerer Tagesarbeit zu Fuß zu ihrem Lehrmeister nach Tosters (denn dort bestand bereits seit dem Jahre 1874 eine Harmoniemusik) wandern mußten, pilgerten die Älteren Sonntag für Sonntag von Haus zu Haus, um die nötigen finanziellen Mittel aufzubringen. Ein Ansuchen an die Gemeindevorstehung Altenstadt um Gewährung einer Unterstützung wurde positiv erledigt und auch die Firma Hämmerle, die gerade zu dieser Zeit die Betriebsstätte in Gisingen errichtete, gewährte dem Verein einen namhaften Beitrag. Eine große Gönnerin, die dem Streben der Nofler Musikanten besonderes Wohlwollen entgegenbrachte, war Frl. Maria Mutter aus Feldkirch. Der Eifer der kleinen Musikantenschar war ebenfalls groß, und so konnte sie bereits am 31. Dezember 1892 dem Pfarrherrn ein kleines Ständchen (4 Stücke) darbringen. Im übrigen herrschten harte Sitten, denn wer zu spät zu einer Probe oder Ausrückung kam oder sogar fehlte, mußte eine Geldstrafe in Kauf nehmen. Die Probentätigkeit war sehr rege; so wurden z.B. im Jahre 1894 insgesamt 106 Proben registriert.
Der erste Markstein des im Jahre 1893 in „Bürgermusik" umbenannten Vereines war die Fahnenweihe am 22. Mai 1899, bei der Frl. Barbara Schatzmann Patin stand. Ein Dorffest, bei dem die Musik nicht fehlen durfte, war am 9. August 1903 der Ausschank des ersten Frastanzer Bieres im Gasthaus „Löwen". Bei der 14. Hauptversammlung am 23. Dezember 1906 wurde eine neuerliche Namensänderung in "Musikverein Nofels" vorgenommen. Gleichzeitig wurde von dem nun 18 Mitglieder zählenden Verein die Anschaffung von Pauke und Cinellen beschlossen. Die erste Ausrückung mit komplettem Schlagwerk erfolgte dann am Weißen Sonntag 1907. Die stolzen Schlagwerker waren August Fehr (Pauke) und Christian Stieger, der spätere Schuldirektor und langjährige Chorleiter und Organist (Cinellen). Besondere Stationen dieser Zeit waren die Anschaffung einheitlicher Röcke und Hüte, die Eröffnung der neuen Rheinbrücke am 31. Mai 1908 und ein Ausflug nach St.Gallen (1913). Georg Allgäuer, der große Initiator, legte nach 16-jähriger Tätigkeit seine Ämter zurück und wurde am 28. Dezember 1913 in Anerkennung seiner großen Verdienste um die Nofler Blasmusik zum Ehrenkapellmeister ernannt. Er war es auch, der in den Kriegsjahren 1914 - 1916 nochmals das Amt des zum Militär eingezogenen und bereits 1914 gefallenen Vorstandes Konrad Fiel übernahm und dem Verein den nötigen Rückhalt gab. Weiteren fünf Musikanten war es nicht mehr vergönnt, in die Heimat zurückzukehren, und zwar Otto Büchel, Josef Dejmek, Simon Konzett, Adolf Köchle und Josef Spalt. Die schweren Nachkriegsjahre und die damit verbundenen wirtschaftlichen Krisenzeiten machten sich auch im Vereinsleben sehr bemerkbar. Schlechter Probenbesuch und akute Nachwuchsprobleme ließen den teilweise nur noch sechs Mitglieder zählenden Verein in eine böse Krise hineinschlittern, sodaß der Weiterbestand nahezu gefährdet schien. Die Männer, die in dieser schweren Zeit und auch in weiterer Folge dem Musikverein den nötigen Halt gaben, waren Heinrich Fiel, Otto Lang, Ferdinand Lins, Alfons Mähr, Adolf Schatzmann und August Speckle.
1932 war gleichsam ein Jubeljahr des unter Vorstand Alfons Mähr und Kapellmeister August Speckle wiederum konsolidierten Vereines, galt es doch das 40-jährige Bestehen würdig zu feiern. Diese erste große Vereinsveranstaltung (Festobmann Christian Stieger) war zweifelsohne eine gut organisierte Geburtstagsfeier und eine echte Nofler Gemeinschaftsveranstaltung, die dem Verein im Jahre 1933 auch die Anschaffung einer kompletten (braunen) Uniform ermöglichte. Im Jahre 1934 wurde Hans Mähr zum Kapellmeister bestellt. Er war es auch, der in den nächsten zwanzig Jahren dem Nofler Musikleben seine persönliche Note gab und in konsequenter Arbeit den Aufstieg von der Unterstufen- zur Oberstufenkapelle schaffte. Noch im gleichen Jahr beteiligte sich der Verein beim Musikfest in Rankweil zum erstenmal an einem Wertungsspiel und erreichte mit der Gavotte „Leicht und zierlich" (Vier-Wochen-Chor) in der Unterstufe den beachtlichen 2. Preis.
Bedingt durch die politisch bewegten Zeiten (1937/38) und die anschließende „Heimkehr in das Dritte Reich" wurden auch im Musikleben neue Maßstäbe gesetzt, die mit der endgültigen Einstellung des Musikbetriebes im Jahre 1940 endeten. Die schweren Kriegsjahre 1939 - 1945 rissen große Lücken in die Reihen des aufstrebenden Vereines. So starben im Krieg: Eduard Gopp, Josef Fehr, Heinrich Fiel jun., Ludwig Köchle (Ritterkreuzträger), Christian Mähr, Richard Maier, Ferdinand Pümpel und Adolf Summer. Bereits im Sommer des Jahres 1945 - die französischen Besatzungstruppen waren in unserem Lande kaum richtig seßhaft geworden - scharte sich die klein gewordene Runde der Vorkriegszeit wiederum zusammen, um Mittel und Wege zur Reaktivierung des Vereinslebens zu suchen.
Dank der Initiative von Ferdinand Lins, der in der ersten Nachkriegsversammlung zum Vorstand bestellt wurde und in der Folgezeit auf Grund seiner organisatorischen Fähigkeiten vorbildliche Arbeit leistete, und Kapellmeister Hans Mähr, sowie der tatkräftigen Mitarbeit der bewährten Musikveteranen Heinrich Fiel und Adolf Schatzmann, konnte in besonderem Maße die Jugend für die Musik begeistert werden.
In mühsamer Kleinarbeit wurde das nötige Instrumentarium zusammengetragen. Der große Idealismus der Älteren und die grenzenlose Begeisterung der Jungbläser waren gerade in dieser Aufbauphase zweifelsohne die entscheidenden Garanten für ein gutes Gelingen. Sehnsüchtig wurde die Heimkehr der kriegsgefangenen Musikanten erwartet, erhoffte man sich doch gerade von diesen eine wesentliche Verstärkung. Auf Grund der guten Zusammenarbeit aller hatte Nofels schon in relativ kurzer Zeit wieder eine spielfähige Musikkapelle. Wohl das schönste Erlebnis dieser Zeit war die Teilnahme beim Musikfest in Schellenberg am 26. Mai 1947. Mit Roß und Wagen ging die Fahrt in das gelobte Land und fand vor allem bei den vielen Rauchern großen Anklang. Selbst die Ausfahrt mit LKW nach St. Anton a. Arlberg am 3. August 1947 entbehrte nicht einer gewissen Romantik. Nach 44-jähriger Vereinszugehörigkeit beendete Heinrich Fiel, der all die Jahre hindurch eine wertvolle Stütze des Vereines und oft Retter in höchster Not war, am 9. November 1947 seine musikalische Tätigkeit und wurde in Anerkennung seiner besonderen Verdienste zum Ehrenkapellmeister ernannt. Ein großer Tag für die Nofler Musikanten war der 4. Juni 1950, denn beim Bundesmusikfest in Bludenz trat der Verein zum erstenmal in der Oberstufe zum Wertungsspiel an. Unter Leitung von Kapellmeister Hans Mähr gelangte neben dem Pflichtstück „Ouvertüren-Kongreß" von Hans Kliment die Ouvertüre „Tancred" von G. Rossini zur Aufführung. Ergebnis: 2. Rang. In der Chronik dieser Zeit finden besondere Erwähnung: Ausbau des Vereinslokales im Schulhaus Nofels (1947), Einweihung des Feuerwehr-Gerätehauses (1950), Einweihung des neuen Kindergartens und Großfeldkircher Musiktag (1951), 60-jähriges Gründungsfest (1952), Neu-Uniformierung (blaue Uniform) und Instrumentierung (1953).
Am 8. August 1954 wurde in
einem kirchlichen Festakt die neue Vereinsfahne geweiht und anschließend im
Rahmen des Großfeldkircher Musiktages, ein freundschaftliches Treffen der fünf
Feldkircher Musikkapellen, der Öffentlichkeit vorgestellt. Als Fahnenpatin
fungierte Frl. Steffi Schatzmann, eine würdige Vertreterin des Musikantenhauses
Schatzmann.
Da kein ausgebildeter Nachfolger zur Stelle war, sprang Kapellmeister Alois Weber aus Altenstadt in dankenswerter Weise in die Bresche. Beim Bundesmusikfest in Feldkirch am 16. Juni 1956 hatten der greise, aber immer noch agile Kapellmeister und seine 30 Nofler Musikanten die erste gemeinsame Bewährungsprobe zu bestehen. Mit „Nabuccodonosor" von Giuseppe Verdi und einem Stundenchor erspielte sich das neue Team einen 2. Rang. Im Jahre 1959 übernahm der langjährige 1. Flügelhornist Leo Summer das Amt des Kapellmeisters. Mit großem Elan und dem nötigen Ernst ging der junge Dirigent ans Werk. Auf Grund seiner Verbundenheit mit der Tanzmusik war er besonders für die neuzeitliche und moderne Musik sehr aufgeschlossen und setzte schon in kurzer Zeit ganz neue Akzente. In intensivster Probenarbeit forcierte er zunächst die leichte Unterhaltungsmusik, was dem Verein viele schöne Angebote einbrachte und in weiterer Folge vor allem die Jugend für die aktive Musikausübung begeisterte. Mit dem Marsch „Auf Wiedersehen" von Hans Schmid wurde am 22. April 1961 im Schloßbräusaal in Dornbirn die lange Serie der Rundfunkaufnahmen eingeleitet. Zu diesem Zeitpunkt ahnte wohl niemand, daß gerade in diesem Saal am 9. November 1974 in einem Wahlgang dem Musikverein Feldkirch-Nofels die Durchführung des 13. Vorarlberger Landesmusikfestes übertragen werden sollte.
Dem allgemeinen Trend der heimischen Blasmusikkapellen folgend, entschlossen sich auch die Nofler zur Anschaffung einer bodenständigen Tracht. Anläßlich der Fronleichnam-Prozession am 13. Juni 1963 stellten sich die Musikanten dann erstmals in einer Alt-Feldkircher Patrizier-Kleidung vor. Gerade diese gelungene Umstellung auf den Trachtenlook und das solide musikalische Können brachten dem Verein manch verlockende Einladung, so u.a. 9. internationales Volksmusiktreffen der Bodenseeländer in Überlingen (1963), Brienne le Chateau (1965), Fête de la mirabelle in Nancy (1966), Internationales folkloristisches Treffen in Calais und Winzerfest in Lugano (1969), Grand Corso Carnavalesque in St. Etienne (1970), Wendelsheim (1971), Trachtenumzug in Meran (1973), Koblenz/Helferskirchen (1974), Fêtes de la Lavande in Digne (Südfrankreich) und Winzerfest in Lugano (1975). Um den steigenden musikalischen Ansprüchen gerecht zu werden, wurde im Jahre 1962 ein Saxophonsatz, der heute in der modernen Musik nicht mehr wegzudenken wäre, in den Verein eingebaut. 1964 wurden zur weiteren Komplettierung des Klangkörpers Kesselpauken angeschafft, wodurch vor allem die Aufführung anspruchsvollerer Werke ermöglicht wurde. Den bis dahin wohl schönsten Erfolg erzielte der in der Zwischenzeit auf 41 Mitglieder angewachsene Verein beim 10. Bundesmusikfest in Rankweil am 20. Juni 1964. Der erste Rang mit Auszeichnung für das in der Oberstufe vorgetragene „Präludium" von Paul Huber war sicherlich eine verdiente Anerkennung für die zielstrebige Arbeit von Dirigent und Musikanten. Von der einsetzenden Emanzipationswelle wurde der Musikverein im Jahre 1965 erfaßt, denn Frl. Brunhilde Frener wurde der „erste weibliche Musikant" des Musikvereines Nofels. Während ihrer nahezu achtjährigen Vereinszugehörigkeit stellte sie als tüchtige Saxophonistin stets „ihren Mann" und wurde deshalb von allen männlichen Musikkollegen auch entsprechend geschätzt und akzeptiert. Ein glanzvolles Ereignis war das Bezirksmusikfest anlässlich des 75-jährigen Bestehens des Vereines in der Zeit vom 14. bis 16. Juli 1967. Im Rahmen des Festes wurde sicherlich zum erstenmal in der Geschichte des Vorarlberger Harmoniebundes das Wertungsspiel in einer Kirche abgehalten. Dieser geglückte Versuch kann zweifelsohne als Auftakt für die zahlreichen Kirchenkonzerte gewertet werden. Das Auftreten der in Wiesbaden stationierten amerikanischen Luftwaffenkapelle für Europa - der USAFE-Band - unter Leitung von Captain Edward V. d‘Alfonso wird sicherlich noch vielen Blasmusikfreunden in bester Erinnerung sein. Wer denkt hier nicht an den grandiosen Saxophonisten Kraft und sein Bravourstück „Tico Tico" von Abreu. Er war der umschwärmte Star des Abends, dessen Autogramme bei der Jugend besonders begehrt waren. Leider war dieses
Gründungsfest, zu dem sich insgesamt 26 Musikkapellen eingefunden hatten, auch
die Abschiedsvorstellung des hochverdienten Ehrenvorstandes Ferdinand Lins. In
all den Jahren seiner Vereinszugehörigkeit war er stets in der Vereinsleitung
tätig, zunächst als Kassier und seit 1945 als umsichtiger Vorstand. Seiner
persönlichen Initiative ist es zu verdanken, daß der Musikverein im Schulhaus
Nofels ein bleibendes Heim fand. Weitere Marksteine während seiner
langjährigen Amtsführung waren die Neu-Uniformierung und Neu-Instrumentierung,
die Anschaffung einer neuen Vereinsfahne und der Alt-Feldkircher
Patrizier-Tracht. Bei der 68. Jahreshauptversammlung am 4. November 1967 wurde Helmut Malin zum Vorstand bestellt. Das Streben der neuen Vereinsleitung ging vor allem dahin, den Gemeinschaftsgeist zu pflegen und alle Mitglieder zu aktiver Mitarbeit und Mitverantwortung zu gewinnen. Eine Bestätigung der guten Zusammenarbeit erfuhr der Verein am 13. Juli 1968 beim Landesmusikfest in Feldkirch. Trotz großer Konkurrenz konnten sich die Nofler in der Oberstufe wiederum entscheidend durchsetzen und erhielten für den Vortrag des Selbstwahlstückes „Rhythmus der Freude" von Dieter Herborg und des Vier-Wochen-Chores „Mosaik in Dur und Moll" von Sepp Tanzer einen 1. Rang mit Auszeichnung zugesprochen. Im Rahmen der 750-Jahr-Feier der Stadt Feldkirch wirkte der aufstrebende Verein am 29. September 1968 beim Großkonzert der Feldkircher Blasmusikkapellen mit. Im Auftrag der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika und der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft wurde dann am 23. März 1969 in der Feldkircher Stadthalle das Konzert der „Commanders" unter Leitung von Vernon E. Proctor mit großem Erfolg zur Durchführung gebracht. Mit dem Marsch „Auf Wiedersehen" von Hans Schmid folgte dann am 8. Juni 1969 im Rahmen des Bezirksmusikfestes in Gisingen die Teilnahme beim Marschmusikwettbewerb. Ergebnis: 1. Rang mit Auszeichnung. Im September 1969 folgte für
alle Musikanten der große Arbeitseinsatz, galt es doch auf
Grund des ständig steigenden Mitgliederstandes das bestehende Vereinslokal im
Schulhaus zu vergrößern und den neuzeitlichen Erfordernissen anzupassen. In
mehr als 1500 freiwilligen Arbeitsstunden schufen die Musik-Idealisten ein
Gemeinschaftswerk, auf das alle stolz sein können. Das neue Heim und die geänderte Atmosphäre haben den Verein auch musikalisch beflügelt und in exakter Probenarbeit zu besonderen Leistungen angespornt, denn das angepeilte Ziel hieß - Kunststufe (heute Stufe D = Höchststufe). Beim Bezirksmusikfest in SuIz am 7. Juni 1970 war es dann soweit. Gut vorbereitet, aber doch mit gemischten Gefühlen trat der von Kapellmeister Leo Summer bestens eingestellte Musikverein mit der Ouvertüre „Fahrendes Volk" von Helmut Haase-Altendorf zum Wertungsspiel an. Daß es auf Anhieb zu einem 1. Rang mit Auszeichnung reichen sollte, wagte wohl niemand zu träumen. Die Arbeit hatte sich gelohnt, der große Sprung war gelungen. Nun zählte auch der Musikverein Feldkirch-Nofels zum kleinen Kreis der Vorarlberger Kunststufenkapellen. Diese Tatsache bedeutete gleichzeitig auch eine große Verpflichtung, denn nun galt es zu beweisen, daß dieser Erfolg keine Eintagsfliege, sondern vielmehr solide musikalische Grundlage war. Die Gelegenheit ließ nicht lange auf sich warten, denn bereits am 4. Juli 1971 beim Bezirksmusikfest in Röthis schlug die Stunde der Wahrheit. Kapellmeister Leo Summer hatte für diese Konzertwertung die „Dramatische Legende" von Helmut Haase-Altendorf ausgewählt. Wenn man bedenkt, daß die zu äußerster Strenge angehaltene Jury in dieser Stufe keine einzige Auszeichnung verlieh, kann der 1. Rang zweifelsohne wieder als voller Erfolg gewertet werden. Nachdem das dramatische Werk „Titanic" von Stephan Jaeggi und die klassischen Ouvertüren „Der Barbier von Sevilla“ von G. Rossini und „Bagatelle“ von Josef Rixner zur exakten Schulung und weiteren Hebung des Leistungsstandards beigetragen hatten, erreichten die Musikanten und Musikantinnen auch 1972 beim 12. Vorarlberger Landesmusikfest in Lustenau mit der Ouvertüre „Fahrendes Volk" von H. Haase-Altendorf und der Fantasie „Landskron" von Leo Mimmler als Pflichtstück einen 1. Rang mit Auszeichnung. Ein besonderes Erlebnis war die
Musterprobe im Rahmen des österreichisch-amerikanischen Blasmusikseminars am
23. Juni 1974. Das sicherlich nicht kleine Vereinslokal war bis auf den letzten
Platz gefüllt. Wohl noch nie war in unserem Bereich so viel Blasmusikprominenz
vereint. An der Spitze der Fachexperten aus allen Bundesländern standen der
Präsident des Österreichischen Blasmusikverbandes Franz Karsten und der
Bundeskapellmeister Prof. Leo Ertl. Die amerikanische Delegation wurde von Prof.
Karl M. Holvik, President College Band Directors National Association, angeführt. Sinn und Zweck dieser Musterprobe
war es vor allem, den amerikanischen Musikfachleuten Echt-Österreichische
Blasmusik zu präsentieren und ihnen Gelegenheit zu geben, selbst mit einem
heimischen Blasorchester zu arbeiten. Hochinteressant und sicherlich allen
Beteiligten unvergeßlich war die anschließende gemütliche Aussprache, die
einen Einblick in die internationale Blasmusikwelt ermöglichte.
Ein Jahr danach erreichte der
Musikverein Nofels beim Wertungsspiel im Rahmen des Bregenzerwälder
Bezirksmusikfestes in Egg mit dem Pflichtstück „Rhapsodische Impressionen‘
von A. Sollfellner einen 1. Rang mit Auszeichnung.
Der Fahnenweihe im Jahre 1979 mit der Fahnenpatin Barbara Schatzmann folgte zwei Jahre später der Umzug in ein neues Probelokal in der neu gebauten Volksschule Nofels, das die über 50 Musikanten und Musikantinnen seither eifrig benützen. Im neuen Probelokal wurde und wird immer noch begeistert geprobt, und so konnten sich die Musikanten und Musikantinnen beim Wertungsspiel innerhalb des Landesmusikfestes 1984 in Götzis mit den Stücken „Fugato for Band" von R. Zettler und dem „Ungarischen Marsch" von Hector Berlioz in der Kunststufe über einen 1. Rang mit Auszeichnung freuen. Zwei Jahre nach diesem großartigen Erfolg gab Kapellmeister Leo Summer in der Montforthalle in Feldkirch sein Abschiedskonzert, dessen Höhepunkt „Les Preludes" von Franz Liszt zeigte, was Leo Summer in den 27 Jahren seiner Kapellmeister-Tätigkeit aus diesem Verein gemacht hatte. Sein Nachfolger Josef Wehinger, bis dahin erster Trompeter, trat kein leichtes Erbe an, galt es doch, das einmal erreichte Niveau zu erhalten. Im selben Jahr wurde auch der verdiente Obmann Helmut Malin, der seine Tätigkeit 19 Jahre lang vorbildlich ausgeübt hatte, von Elmar Rederer abgelöst. Die verjüngte Vereinsleitung brachte wieder neuen Schwung und neue Ideen mit, die Abwechslung für die Musikanten und Musikantinnen und Unterhaltung für die Bevölkerung brachten. Zu erwähnen sind ein Kirchenkonzert, das 1986 das erste Schaffen unter der Leitung des neuen Kapellmeisters Josef Wehinger zeigte und die im Jahre 1987 wieder aufgenommene Tradition einer Kilbi, zu deren Anlass der Musikverein Feldkirch-Nofels ein Unterhaltungskonzert gab. Diese Tradition wird bis heute fortgesetzt und hat solchen Anklang gefunden, dass sich der Gesangsverein Frohsinn Nofels abwechselnd mit dem Musikverein Feldkirch-Nofels über regen Zustrom der Dorfbevölkerung anlässlich der Kilbiveranstaltung freuen kann.
Ein weiterer musikalischer Höhepunkt war wohl das Zusammenwirken des Musikvereins Feldkirch-Nofels mit dem Gesangsverein Frohsinn Nofels, dem Kirchenchor Göfis und dem Männerchor Altenstadt, um den „Triumphmarsch" aus der Oper ‚Aida" von Giuseppe Verdi zur Aufführung zu bringen. Im selben Frühjahrskonzert konnten auch moderne, um nicht zu sagen fremde Klänge, gehört werden. Die Uraufführung des Stückes „BLA-SPI-SIN" für Blasorchester und Chor von Prof. Helmut Sonderegger fand nicht nur Anhänger. Enttäuschung zeigte sich bei
den erfolgsverwöhnten Musikanten und Musikantinnen, als sie beim Wertungsspiel in Frastanz
1988 mit der Ouvertüre aus „Oberto" von Giuseppe Verdi und „Apropos
Strauß" von Prof. Dr. Eugen Brixel unter der Leitung von Josef Wehinger
„nur" einen sehr guten Erfolg erreichten. Ein weiterer Höhepunkt im Vereinsleben war die Teilnahme an einem internationalen Festival in Nantes 1989, bei dem die Musikanten und Musikantinnen Gruppen aus der ganzen Welt begegneten, wobei Musik und Tanz der einzelnen Kulturen das Publikum begeisterte.
Dass es der Musikverein Nofels versteht, ein großes Fest zu organisieren, bewiesen die Musikanten und Musikantinnen 1992, als es galt, das 100jährige Bestehen des Vereines zu feiern. Die Kilbiveranstaltung im November 1991, bei der die wichtigsten Stationen der Vereinsgeschichte dargestellt wurden, bildete den Auftakt zu einer Reihe von Veranstaltungen. Im März folgte eine Ausstellung im Schulhaus in Nofels, die nicht nur von der Dorfbevölkerung begeistert kommentiert wurde. Auch das Bezirksmusikfest vom 29. bis 31. Mai 1992 fand großen Anklang und brachte auch jene finanziellen Mittel, die der Verein dringend brauchte. Erstmals fand neben dem Festumzug am Sonntag am Samstag Abend ein Sternmarsch zur Nofler Kirche statt, wo die teilnehmenden Vereine gemeinsam zwei Märsche spielten und anschließend zum Festzelt nach Gisingen-Oberau marschierten. Den Abschluss des Jubeljahres bildete ein Kirchenkonzert zusammen mit der Harmoniemusik Schaan, das gleichsam der letzte Auftritt unter der Führung von Kapellmeister Josef Wehinger war.
Auf Grund von Differenzen (Zielkonflikt) zwischen Kapellmeister Josef Wehinger und dem Verein was die Zukunft des Musikvereins Nofels anbelangte, gab Josef Wehinger seinen Rücktritt als Kapellmeister bekannt und verstärkt heute noch gelegentlich die Posaunen. Die vorher genannten Ursachen führten zu regen Diskussionen im Verein und einige Ergebnisse derselben tragen heute Früchte. Die
Suche nach einem geeigneten Kapellmeister war wohl das schwierigste Unternehmen
für Vorstand Elmar Rederer. Obwohl im Sommer 1992 noch kein geeigneter Kandidat
in Aussicht war, ließen die Musikanten und Musikantinnen den Kopf nicht hängen und stellten
ein Programm für das Frühjahrskonzert 1993 zusammen. Diese Tatsache trug wohl
auch dazu bei, dass Franz Ladner im November 1992 das Amt des Kapellmeisters übernahm.
Erstmals in der Geschichte war der Kapellmeister beim Verein angestellt und
nicht Mitglied desselben.
Der temperamentvolle kleine Mann bereist nicht nur die halbe Welt, um sich musikalisch weiter zu bilden, sondern er versucht auch, den musikalischen Horizont der Musikanten und Musikantinnen zu erweitern. Seinen guten Kontakten u. a. zum niederländischen Militärkapellmeister Major Pierre Kuijpers verdanken wir einige Proben mit dem vorher genannten 1992, 1993, und 1994, eine „Bildungsfahrt“ zu den Weltblasmusikfestspielen in Kerkrade 1993, eine Fahrt nach Valencia, um Blasmusiknächte einmal live zu erleben, Workshops für Saxophonisten mit Otto Klingenschmidt und für Schlagzeuger mit Thonen Mies. Die Begeisterung über die Workshops führte dazu, dass sich die Trompeter bzw. Flügelhornisten inzwischen auch einen Workshop mit Bernhard Bär organisierten. Ein
erklärtes Ziel des Musikvereins Nofels ist es, nicht nur beim jährlichen Frühjahrskonzert
ein Programm mit hohem Niveau zu präsentieren, sondern das ganze Jahr über
anspruchsvolle Blasmusik zu spielen. So wird die Unterhaltungsmappe nach jedem
Konzert mit neuen Stücken aus dem Programm des Frühjahrskonzertes
„aufgefrischt“. Auch im ORF war der Musikverein Nofels zu hören und auch zu sehen. Die Livesendung „Radio aus der Region“ am 2.10.1994 trug die Klänge und Informationen aus und über Nofels zu den Menschen hinaus und war wieder einmal ein Beispiel für die gut funktionierende Zusammenarbeit der Nofler Ortsvereine. Das dort aufgeführte „Echo vom Fürstensteig“ vom Nofler Komponisten Charly Roncat fand Gefallen beim ORF und wurde 1995 im Landesstudio in Dornbirn aufgenommen. Im selben Jahr wirkten die Musikanten und Musikantinnen bei Sepp Forchers Fernsehsendung „Klingendes Österreich“ in Bild und Ton mit. Dort konnten sie erleben, wie das Fernsehen aus Regen Sonnenschein macht. Wie
bereits erwähnt, führten die Diskussionen zu einigen Neuerungen im
Vereinsleben: So wird seit 1993 mit Zahlscheinen gesammelt, welche zuerst dem
1991 gegründeten Musigblättle beigelegt waren. Diese kleine Zeitung fand großen
Anklang und wurde 1995 von der Ortsvereinszeitung abgelöst. Auch die
Jugendarbeit wurde neu organisiert. Durch jährliche Werbeaktionen in der
Volksschule konnten so viele Kinder für die Blasmusik begeistert werden, dass
es heute eine eigene Jugendmusik unter der Leitung von Jugendkapellmeister Kurt
Summer sowie
eine Mini-Band unter der Leitung von Benjamin Wehinger gibt, hinter der ein eigenes Organisationsteam steht. Für Abwechslung im Jahresprogramm (Nofler Bälle, Funkensonntag, Frühjahrskonzert, Mai-Weckruf, Erstkommunion, Rundgang in Bangs, Feste, Einweihungen, Platzkonzerte Auf der Egg, Musigfeschtle, Dämmerschoppen, Weinfest, Kilbi oder Kirchenkonzert, Seelensonntag und diverse Ständchen) sorgten immer wieder Fahrten ins Ausland: 1993 und 2000 zum Carnaval de Chalon sur Saone, zum 70-Jahr-Jubiläum des Musikvereins Ingerkingen, zu einem Dreiländerkonzert in Radolfzell , eine Fahrt nach Leiden (NL), dem Marschmusiksieger der Blasmusikolympiade, 1996 in die Nähe von Toulouse zur EURO-Fanfare in Villefranche und 1998 nach Brienne-le-Chateau zum Sauerkrautfest. Nach
10 Jahren überaus erfolgreicher Tätigkeit, die in den vorangegangen Absätzen
beschrieben wurde, wollte Vorstand Elmar Rederer 1996 sein Amt niederlegen. Einen
Nachfolger für ihn zu finden, war aber keine leichte Aufgabe, schon gar nicht
in Aussicht auf das nahende Fest anlässlich des 105-jährigen Vereinsjubiläums.
Auch für dieses Problem wurde eine neue Lösung gefunden. Die Vereinsleitung
bestand kurzfristig aus 3 Männern: Elmar Rederer, der den Verein weiterhin nach außen
vertrat und auch Festobmann war, Rainer Masal, der die vereinsinternen
Angelegenheiten regelte und Günter Walch, der für „Personalfragen“ zuständig
war.
Ein Höhepunkt im selben Jahr 2002 war sicher das Jubiläumsfest anlässlich des 110-jährigen Bestehens. Zu diesem Zweck wurde das schon einige Male durchgeführte Musigfeschtle einfach etwas größer dimensioniert, die Darbietungen der geladenen Gastkapellen an den zwei Tagen fanden bei der Dorfbevölkerung großen Anklang. Seit Ende 2002 ist
Helmut Wehinger Obmann des Vereins, unter seiner Führung wurden unter anderem
bereits mehrere Workshops veranstaltet, ein Leitbild erarbeitet, die
Vereinsleitung erfolgreich umstrukturiert und neue Statuten verfasst. Ende 2005 übernahm Kapellmeister Peter
Kuhn die musikalische Leitung des 'Grossen' Vereins und Maria Walser die der
JUMU (Jugendmusik). 2008 gab letztgenannte das Amt der Jugendausbildnerin an
Bernadette Masal ab.
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